Vivant et mulieres, bonae, laboriosae… das Lob der Tierarztfrauen

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Einst gab es eine Zeit (in gewissen Praxen soll es sie heute noch geben, teilweise zumindest…), da kannte man die TPA (steht im Zeitalter der Buchstaben – Abkürzungsmanie für „tierärztliche Praxisassistentin“ und heisst eigentlich nichts anderes als „Tierarztgehilfin“), also es gab da mal eine Zeit, da man diese heute nicht mehr wegzudenkende Mitarbeiterin in unseren Praxen noch nicht kannte. Auch die Putzfrau – Verzeihung: Raumpflegerin – lag da und dort nicht drin. Da war eben nur die Tierarztfrau. Sie war (ist) Mädchen für alles und machte (macht immer noch fast) alles. Nebenbei zog (zieht) sie in der Regel auch noch ein paar Kinder gross. Und funktioniert regelmässig als „Blitzableiter“ zwischen Klient und Arzt.

Tierarzt in Graubünden: zumindest bis zum Beginn der Achtzigerjahre war das berufsmässig eine reine Männersache. Auch an den jährlichen Hauptversammlungen war man unter sich. Und man hatte es gemütlich. Ohne Frauen. Zwar nicht ganz bis in die achtziger Jahre.

Das kam so: der Überlieferung nach soll es 1948 ganz im Süden des Kantons, in Grono bei Kollega Serena, anlässlich der Hauptversammlung überaus lustig und feuchtfröhlich zu und her gegangen sein. Um weitere Exzesse dieser Art fürderhin tunlichst zu vermeiden, beschloss die hochwohllöbliche Männercorona, dass künftig – 1949 in Sta. Maria im Münstertal zum ersten Mal – auch die Tierarztfrauen am geselligen Teil dieser Versammlungen teilnehmen sollten.

Dass es den Tierarztfrauen an den Hauptversammlungen gefallen hat (und hoffentlich auch heute noch gefällt), zeigt der Kommentar zu diesem Bild aus der Feder von Frau Lia Gross (von 1953 bis 1987 Tierarztfrau in Küblis)
„In den 50 – 60iger Jahren war die Anzahl der Tierärzte im Kanton noch gering und man kannte sich gut.

Da noch keine Funk- oder Natel – Anschlüsse existierten, waren die Ehefrauen in der Praxis stark gefordert; ihre Präsenz in Haus, Büro und Apotheke war selbstverständlich. (Tierärztinnen in Graubünden gab es 1954 noch keine!)
Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Tierarzt – Frauen war gross. Ganz besonders beliebt war die alljährlich im Herbst stattfindende GV. Ab 1950 (richtig: 1949, Red.) war unsere Anwesenheit beim gesellschaftlichen Teil willkommen!
Es wurden Erfahrungen in Praxis und Familie ausgetauscht.

Nie ging ein Anlass zu Ende, ohne dass die „Herren der Schöpfung“ uns offiziell gedankt und unsere Arbeit gewürdigt hätten. Für mich war es jedenfalls eine Aufmunterung!
Während des gesellschaftlichen Teils wurde dann auch gelacht, getanzt und gefeiert, wie beigelegtes Foto zeigt.“

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